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Die Insel Burgaz - Nah und Fern

Dokumentarfilm / 2005 / 60 Min.

Foto: Özgür Can Akbaş

Wir schreiben das Jahr 1974, die Höhepunkt des Zypernkonfliktes. Theaterschauspieler Cüneyt Türel bekommt ein Stipendium in London und möchte sich dort in einem von Zyperngriechen betriebenen Hotel niederlassen. Leute mit türkischem Pass sind dort milde gesagt, nicht willkommen.

Türel hat jedoch keine Alternative, die restlichen Hotels sind zu teuer. Ein wenig später klopft es an seine Zimmertür. Türel befürchtet Schlimmes, fragt trotzdem zögernd nach, wer da sei. Hinter der Tür antwortet eine Stimme in akzentfreiem Türkisch „Ich heisse Emilios Yorgos Eden. Ich bin ein Grieche aus Burgaz“. Mit diesen Worten beginnt eine lange Freundschaft, die Grenzen überschreitet.

Einige Jahre nach ihrem Treffen geht Emilios als Augenarzt nach Athen und Cüneyt kehrt nach Istanbul ans Theater zurück. Der Briefwechsel lässt nach und sie verlieren sich aus den Augen. Mittlerweile leben Türel und seine Frau und Kollegin Tilbe Saran auf Burgaz. Durch die Dreharbeiten mit Hazar kommt Emilio das erste Mal, als Erwachsener zurück auf seine Heimatinsel.

Emilios Heimatinsel Burgaz ist eine der Prinzeninseln Istanbuls. In Folge einer anderen Zypernkrise in den 1960er Jahren, wurden alle dort lebenden Griechen vertrieben. Auch Emilios Vater, der Inselarzt musste sein Amt niederlegen und fort ziehen.

Inzwischen gehören rassistischen Maßnahmen zur Geschichte. Burgaz ist bunt geworden. Mit seinen siebzehn verschiedenen ethnischen und religiösen Gemeinden sucht sie weltweit ihresgleichen. Juden, sowohl Sepharden als Aschkenasen, Aramäer, Armenier, Khaldäer, Deutsche, Italiener, Kurden, Aleviten, und viele mehr leben dort oder verbringen ihren Sommerurlaube auf anderthalb Quadratkilometer Boden, die die Insel zu bieten hat. Für das Fest, an dem das Kreuz aus dem Meer gefischt wird, helfen Aleviten den griechisch-orthodoxen Christen, weil sie sonst nicht genug eigene Helfer finden. Die Minderheiten scherzen im Dialekt der Anderen und beim jährlichen Kostümball tragen sie klischeehafte Kostüme der nicht mehr so fremden Kulturen.

Tilbe Saran, Cüneyt Türel und Emilios Eden führen uns durch die Geschichte, Gegenwart und das ethnische Patchwork der Insel. Die Sprache des Filmes ist emotional und oft witzig.
Der Film, hier zu sehen mit englischen Untertiteln, endet als Emilios sich inmitten einer Feier plötzlich verabschieden muss, um seinen Rückflug zurück nach Athen nicht zu verpassen. Alles doch nur eine Utopie?

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Buch & Regie

Nedim Hazar

Kamera

Bülent Arınlı

Produktion

Troya Medya

Produzentin

Ethel Kupas

Assistenz

Özgür Can Akbaş

projektıdee

Robert Schild

MUSIK

Motion Trio (Polen)
Zoe Tiganouria (Griechenland)
Sabahat Akkiraz (Türkei)

Ausstrahlung

NTV Türkei

Festivals

München Türkische Filmtage

Nürnberg - Deutsch-Türkisches Film Festival

Istanbul - 1001 Documentary Film Festival

Presse Gallerie

Cüneyt Türel

Schauspieler (1942 - 2012)

Mit über vierzig Jahren Bühnenerfahrung und Rollen in unzähligen Filmen, war Cüneyt Türel ein begabter, geliebter und hochgeschätzter Schauspieler der Türkei. Zuletzt spielte er 2009 zusammen mit der französischen Schauspielerin Jeanne Moreau in einer Open-Air Inszenierung des israelischen Regisseurs Amos Gitai in einer historischen Burg am Bosporus.
Türel war enger Freund und Inselnachbar* von Nedim Hazar.

* Zwischen 2008 und 2015 lebten Hazar und seine Frau Ulrike Dufner auf der Insel Burgaz.

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